Das große Tabu

Gestern sorgte dieses Bild für Aufsehen. Reaktionen gab es viele, auch diese:

Doch Homophobie ist nicht nur im Fußball ein Thema, sondern in jeder Sportart – und in der Gesellschaft allgemein – präsent. Ein Grund dafür mag auch sein, dass, z. B. im Basketball, Homosexualität nach wie vor ein Tabuthema ist.

Für mich als Basketballfan habe ich mich nie darum gekümmert ob ein Spieler “schwul” ist oder nicht. Andererseits war das für mich in der NBA auch nie ein Thema, bis ich vom Outing des ehemaligen NBA-Spielers John Amaechi las (Hier ein Artikel dazu). Er war der erste Akteur überhaupt, der sich outete. Ein klares Zeichen, dass Homosexualität in der besten Liga der Welt ein recht unbequemes Thema zu sein scheint. Die Folgen wären nicht abzusehen. Es könnte für die Spieler körperliche, emotionale oder finanzielle Folgen haben, denn die NBA ist größtenteils eine Liga der Individualität, die Stärke des Einzelnen rückt gegenüber dem Team in den Vordergrund, vor allem im Hinblick auf die Vermarktung. Spieler fürchten im Falle eines Outings, unter einem “Wettbewerbsnachteil” zu leiden. Sportlich kann die Homosexualität dahingehend nachteilig sein, dass der Spieler Anfeindungen ausgesetzt ist, mangelnder Einsatz mit seiner “fehlenden” Männlichkeit erklärt wird, oder der im Basketball sehr beliebte Trashtalk sich gegen schwule Mitspieler richtet. Weiterhin unklar ist, wie die Medien und Fans auf solche Themen reagieren. Der Spieler würde vermehrt im Fokus stehen, Interviewanfragen könnten ihn regelrecht erdrücken. Presse und TV-Sender würden sich intensiv mit dem Thema beschäftigen.

Bestes Beispiel für die Tabuisierung von Homosexualität ist der Präsident für den Geschäftsbetrieb der Golden State Warriors Rick Welts. Er ist seit über 40 Jahren in der NBA aktiv und ist unter anderem dafür verantwortlich, dass das All-Star-Weekend heute so ist, wie es ist. Welts outete sich als erster Funtionär der Liga im Jahr 2011. Damit endete ein sehr langes Versteckspiel und ist die Konsequenz, die Welts aus der damit verbundenen Trennung seiner 14 Jahre langen Beziehung zu seinem Partner zog. 1994 verstarb sein langjähriger Partner und nahm sich danach nur 2 Tage frei, mit der Begründung, dass ein guter Freund gestorben sei. Damit andere ihr Privatleben nicht genauso wie Welts abschirmen müssen, will er ihnen als Mentor zur Seite stehen und versuchen, alle Zweifel, die sie wegen ihrer Sexualität haben, aus dem Weg zu räumen.

Im Vorfeld des Outings war Kobe Bryant in die Kritik geraten, nachdem er einen Schiedsrichter als “Schwuchtel” bezeichnete und zu einer Geldstrafe in Höhe von $ 100.000 verdonnert wurde. Nicht die erste negative Äußerung eines NBA-Spielers. Als Reaktion auf das Outing von John Amaechi hatte Tim Hardaway damals geäußert:

“Well, you know, I hate gay people. I let it be known I don’t like gay people. I don’t like to be around gay people. I’m homophobic. It shouldn’t be in the world, in the United States, I don’t like it.” (deutsch/englisch)

Doch solch eine Herangehensweise ist nicht haltbar. Vielmehr sollte es möglich sein, den Mitspieler weiter so zu integrieren wie bisher. Die Sexualität sollte keine Rolle spielen. Charles Barkley sagte mal, dass er lieber einen Schwulen, der spielen kann, im Team hätte, als einen Hetero, der es nicht bringt. Außerdem sollte für Fans und Medien auch ausschließlich wichtig sein, wie der Spieler spielt, wieviel Einsatz er zeigt.

Im Bereich Management eher schlecht, in Sachen Homosexualität dann doch mit guten Gedanken: Isiah Thomas. Er wurde gefragt, ob es Probleme geben würde, wenn ein Spieler seines Teams schwul wäre. Seine Antwort war, dass er “verdammt nochmal sicherstellen würde, dass es kein Problem ist”.

Insgesamt bleibt die Liga im Hintergrund, vielleicht um zu verhindern, dass Fans oder Sponsoren vor einem zu großen Engagement zurückschrecken. Man sollte jedoch sich die Person und Rick Welts vornehmen, und sie sich zum Vorbild machen. Es mag vielleicht schwer sein, sich in der NBA zu outen, doch irgendwann sollte dies möglichst unproblematisch sein. Generell in der Gesellschaft natürlich auch. Denn ob Profisportler oder nicht, es zählt was du machst, nicht was du bist. Wir sind alle gleich.

(Dieser Blogpost lehnt sich an den Artikel in der “Five” Nr. 85 an.)

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