Nasir x Christopher

Wer sind Nasir und Christopher? Gemeint sind die beiden Künstler Frank Ocean und Nas. Ich werde hier nun etwas anders an die Sache rangehen, eine etwas andere Review verfassen. Gründe dafür gibt es einige.

Vorgeschichte

Nasir Jones aka Nas gehört neben dem Wu-Tang Clan und Ludacris zu den ersten richtigen Lieblingen, die ich im Bezug auf meine Lieblingsinterpreten in Sachen Rap hatte. Seit jeher überzeugt er mich mit Geschichten rund um die Queensboro Brücke und eine in sich geschlossene Atmosphäre in seinen Stücken, präsentiert mit einem unnachahmlichen Flow. Sein letztes Album liegt schon knapp 4 Jahre zurück und ist mir leider nur als “gutes” in Erinnerung geblieben. Klar waren da die bekannten Stärken, doch irgendwie fehlte es an einer klaren Linie.

Christopher Breaux aka Frank Ocean ist mir seit März oder April 2011 ein Begriff, da ich eher zufällig auf ein Mixtape von ihm bei Datpiff stieß. Dieses Mixtape entpuppte sich als recht schlimmer Ohrwurm. Nach und nach versorgte Frank uns immer mal wieder mit schönen Liedern und Gastbeiträgen bei seinen Freunden der Wolf Gang. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte die Freude über seine Musik mit seinen Refrains auf dem Album von Kanye West und Jay-Z namens Watch The Throne. Diese Stimme müsste doch sowas wie der neue Stern am R’n’B-Himmel sein. Ab diesem Zeitpunkt ging dann irgendwie nichts mehr ohne diesen Typen. Großen Respekt hat er sich ja verdient, da er sich vor einiger Zeit outete. Was im Allgemeinen sicher kein einfacher Schritt ist, scheint im Vorfeld einer Albumveröffentlichung reiner Wahnsinn.

Der 17.07.12

Und dann kam der Tag. Beide brachten ihr Alben raus. Der eine wollte den Grundstein für eine steile Karriere legen, der andere wollte an die steilen Zeiten seiner Karriere anknüpfen. Amazon schickte mir Nas’ Album am 18.07. Am Tag darauf durfte ich dann Frank meine Aufmerksamkeit schenken. Letztlich sind beide eine Macht, wenn es ums Geschichten erzählen geht. Der Unterschied ist nur, dass Frank Ocean diese eher in für mich schwer zugängliche bzw. schwer interpretierbare Texte packt. Channel Orange ist ein klasse Beispiel dafür. Das stellt jedoch kein Hindernis dar, sondern macht eigentlich noch mehr Spaß über die Texte nachzudenken. Mittlerweile kann ich mir für einige Titel, auch dank einer schlauen Internetseite, die Bedeutung der Tracks herleiten. Beispielsweise bei Monks. Hier schildert er das Verhältnis der Groupies zu den Künstern, wie das von Mönchen zum Dalai Lama. Sie beten sie an und würden alles für sie tun. Die starken Titel sind an einigen Stellen durch kleine “Skits” unterbrochen. Gleiches gab es schon beim Mixtape. Sie unterbrechen das Album zum Glück aber nicht auf eine störende Art. Ich frage mich jedoch sicher noch lange, was Fertilizer uns mitteilen möchte. Einen klaren Favoriten unter den 17 Stücken zu finden fällt schwer, wobei das im Vorfeld veröffentliche Pyramids einen riesengroßen Reiz besitzt. Besonders gefallen mir an sich dann aber Thinkin Bout You, Super Rich Kids, Pilot Jones, Pink Matter und Bad Religion. Das Album deckt alles ab, von der Liebe zu Prostituierten, über die Suche nach der wahren Liebe, bis zum Leben als reicher Schnösel.

Weniger rätseln musste ich beim Anhören von Life Is Good. Nas bringt seine Geschichten gerade raus. Das Intro, bzw. das Nicht-Intro (No Introduction) macht klar, dass er sich nicht vorstellen muss, es ist eh klar, wer hier vor uns steht. Danach nimmt uns Nas mit auf die Reise im Zug Richtung 90er Jahre. Seine “trapped in the 90s” Jungs sollen ja schließlich auch bekommen, wonach sie sich sehnen. Letztlich fühlt sich das gesamte Album wie eine Zeitreise an. Grund dafür sind die bekannte starke lyrische Präsentation sowie das recht homogene Soundbild altbekannter Produzenten. Vornehmlich stammen die Titel aus der Feder von No I.D. und Salaam Remi. Gut, der Titel Summer On Smash lässt mich dank Swizz Beats Produktion wieder rätseln, was der immer wieder für Bretter produziert. Immer am Scheideweg zwischen Nerventod und Headbanger. Naja, Nas möchte damit sicher ein Stück Radiokonformität auf dem Album haben, was meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre. Lieber hätte noch ein Stück aus der Kategorie Accident Murderers, Cherry Wine (Amy Winehouse!!) oder The Don gepasst. Persönlich wird Nas dann besonders auf Daughters und Bye Baby. Während er einerseits die Gefahren seiner Bekanntheit für seine Tochter schildert, schreibt er andererseits einen Dankesbrief an seine Ex Kelis. Solche Stücke zeichnen den Künster Nas aus. Er kann wirklich ganze Alben füllen, nur mit Geschichten aus seinem Leben.

Der 24.07.12

Nach etlichen Runden, auch jetzt beim Schreiben dieser Zeilen schallen die beiden Alben durch die Kopfhörer, mit Nas und Frank Ocean und einigen Parallelen, kann ich nun ein Fazit ziehen. Life Is Good ist ein wunderbares Album. Nas’ Leben bietet so viel Stoff, welchen er auch zu wunderbaren Lieder formt. Nach Untitled ein klarer Schritt in die positive Richtung. Sobald man “Play” drückt, befindet man sich für 71 Minuten (in der Deluxe-Edition) auf einer Fahrt durch die Queensbridge Projects. Mag sicherlich nicht die sicherste Gegend sein, doch für die Ohren besteht absolut keine Gefahr. Höchstens wegen zu exzessiven Genuss dieser Platte.  Ich gebe satte 4,5 von 5 Punkten.

Auch Frank Ocean hat viel zu erzählen. Auf den ersten Blick scheint Channel Orange nur herangezogene Geschichten zu erzählen, doch schon der Titel entkräftet diese These, da Frank mit Orange seinen Sommer mit seiner ersten Liebe verbindet. Auch kann man in vielen Stücken subjektive Bezüge finden, sie sind nur gut versteckt. Über die Spieldauer von 62 Minuten hinweg zeigt sich Frank vielfältig und gefühlvoll, bei der Wahl der Produktionen beweist er ein sicheres Händchen. Mit gerade mal 24 Jahren steht ihm die beste Zeit sicher noch bevor. Für das Debüt vergebe ich, welch Überraschung, ebenfalls satte 4,5 von 5 möglichen Punkten.

Eine Kurzübersicht der beiden Reviews gibt es wie immer in der Hörbar.

Zukunft

Wie geil wäre es, wenn die beiden mal zusammen ein Liedchen einstimmen? Fragte ich mich auch. Die Antwort gab es auch schon, doch leider ist diese aber “verschwunden”. Was war passiert? Nun, es schien, als ob Nas und Frank zusammen an einem Titel gearbeitet haben, der dann ins Daten-Nirvana gewandert ist. Nas hat ein Zusammenarbeiten zwar bestätigt, doch nichts genaueres dazu gesagt. Hoffen wir, dass diese Kollaboration doch irgendwann das Tageslicht sehen wird. Da der aufstrebende R’n’B-Sänger, dort der gestandene Storyteller. Sicher ein feuchter Traum eines jeden Freundes des Sprechgesang.

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