God Forgives, I Don’t – Eine Review von @LU23_

Wenn man das Bedürfnis hat, perfekt gemasterte Beats zu hören, sollte man seinem Abspielgerät “sagen”, dass es irgendwas von Rick Ross abspielen soll.

Der Rob und ich haben uns dazu entschieden, das neueste Album des Chefs der Maybach Music Group zu reviewen und hierzu haben wir uns Fragen überlegt (zuerst kommen die Antworten von Rob, dann meine), die uns dabei helfen sollen:

1. Fast anderthalb Jahre hat Rick Ross sein Album promoted. Er sagte, dass es sich wie ein Film anfühlen soll. Hast du das so empfunden?

Zum Teil ja. Das liegt zuerst am Intro, das dem Film Baby Boy entnommen ist. Am Ende hört man Rick Ross grunzen und los geht es. Zum anderen sorgen die cineastischen Beats der J.U.S.T.I.C.E. League für eine kinomäßige Stimmung. Dafür sind sie bekannt. Generell würde ich aber nicht behaupten, dass Rick Ross einen Film geschaffen hat.

Auch wenn der Albumtitel schon sehr lange bekannt war und auf diversen Internetseiten und Netzwerken ein Banner mit dem Text “Coming Soon” zu sehen war, bekam ich persönlich nicht viel von der Promo mit. Die Promo geht – wie ich finde richtigerweise – erst jetzt nach dem Release der LP so richtig los, und zwar in Form von einigen Musikvideos, die in den letzten Tagen veröffentlicht wurden. Diese Art von Werbung ist wesentlich effektiver. Jemand sieht das Video und sagt sich “Cool, gefällt mir!” und kann sich das Album direkt holen und muss nicht Ewigkeiten auf die Veröffentlichung warten. Aus dem gleichen Grund finde ich, dass Singles ebenfalls erst nach dem Release herausgebracht werden sollten.

Ich habe das Album nicht als Film empfunden. Das ist keine leichte Aufgabe und die wird nicht einfach so gelöst, indem man sich für das Intro Pray For Us am Tonmaterial eines Filmes bedient (es handelt sich um eine Szene aus dem Film Baby Boy).

2. Was sind die starken Tracks auf dem Album? Welche sind eher unpassend? Oder ist das gesamte Album für dich homogen? 

An sich ist das Album recht homogen. Der gewohnte Stil des Rick Ross. Unpassend sind irgendwie Touch’n You, Presidential und Ice Cold. Aufälligerweise “richtige” R’n’B-Stücke. Am stärksten würde ich 3 Kings, Maybach Music IV, Sixteen (Hallo, über 8 Minuten und kein Stück langweilig), 911 und Diced Pineapples einschätzen.

Stark sind die folgenden Tracks:

Maybach Music IV – Mir gefällt, dass dieser Track eine Überraschung parat hat. Ich mag es, dass die Stimmung eines Songs durch die “Verwandlung” des Instrumentals sozusagen an Dramatik gewinnt. Ne-Yo liefert die passenden Vocals.

911 – Ein Beat dieser Sorte muss einfach auf einem Rick Ross-Album drauf sein. Das erwartet man.

So Sophisticated – Wieder so ein Beat, bei dem man immer die Lautstärke erhöht. Meek Mill geht unfassbar ab. Gutes Raptempo und sehr hörenswerter Flow.

Mir gefallen Presidential und Touch ‘n You gar nicht. Die Beats der beiden Songs sind nervig und Usher ist nicht mehr der Usher von “damals”.

3. Direktvergleich Teflon Don und GFID. Welches Album ist besser? Wie findest du die Auswahl der Features im Vergleich zu Teflon Don?

Um es direkt zu sagen, ich finde Teflon Don besser. Nicht, dass GFID schlecht ist, doch es ist eben nicht so gut wie der Vorgänger. Die Features sind auf beiden recht hochwertig. Man merkt jedoch GFID an, dass Rick Ross nun die Maybach Music Group mehr involviert hat. Stalley, Wale, Omarion und Meek Mill. Ich hätte mir jedoch für MM IV noch ein paar fette Gäste gewünscht. Nur Ne-Yo, der den Refrain singt, ist auf dem Track vertreten, da ist man von den 3 Vorgängerstücken doch mehr gewohnt.

Ich wage es zu bezweifeln, dass Rick Ross jemals wieder in der Lage sein wird, ein Album der Qualität von Teflon Don rauszubringen. GFID klingt nicht ansatzweise so rund und ich bin mir sicher, dass ich es mir nicht all zu oft von Anfang bis Ende anhören werde. Zusätzlich muss ich sagen, dass die Bonus-Tracks Triple Beam Dreams und Rich Forever den Gesamteindruck des Albums bei mir ansatzweise retten. Rick Ross kann sich bei John Legend und Nas bedanken.

4. Welcher Gast hat die beste Arbeit geleistet und warum? 

Jay-Z. Ich meine, wer seine Zeit, die er für seinen Vers bekommen hat, ignoriert, es dann auch frech als Freestyle bezeichnet, hat Lob verdient. Zu geil.

Drake, auch wenn er nur die Hook zu Diced Pineapples bringt. Dank ihm bleibt die Melodie des Liedes im Kopf hängen. Ich finde es schade, dass er nicht auch noch einen Part rappt.

5. Damals, mit Teflon Don, hat Rick Ross Lex Luger zum Millionär gemacht. Die Beats setzten Trends. Er hat ja generell ein gutes Gehör für Beats. Ist ihm das auch diesmal gelungen? Welcher Beat stellt die anderen Beats auf dem Album in den Schatten?

Ich würde verneinen, dass es auf GFID einen nächsten Lex Luger gibt. Die Beats sind im Allgemeinen schon hochkarätig, doch einen neuen Trend hat Rick Ross glaube ich nicht gesetzt. Krass sind den Beat von 911. Ich stelle mir vor, wie dieser Track 2:00 nachts im Club abgehen kann. Aber wie vorhin schon erwähnt sind die Sounds der J.U.S.T.I.C.E. League sehr, sehr stark.

Größtenteils ist es ihm gelungen. Aber ist es eine großartige Arbeit, gute Beats zu picken? Viel schwieriger ist es, so gute Sachen zu produzieren. Man sollte deshalb die Produzenten loben und nicht Rick Ross’ Gehör. Obwohl das Niveau der meisten Beats hoch ist, muss ich sagen, dass der Rich Forever-Beat einfach alles andere killt. Es ist nicht immer dieselbe Leier, sondern eine konstante Entwicklung bis zur Explosion. Ich habe beim ersten Anhören gestaunt.

6. Nochmal zum Thema Promo. Auf Twitter preiste er sein Album an, als ob es alles killt, was vorher war. Alle MMGs machten mit. Es erhielt massive Vorschusslorbeeren. Zu Recht?

Naja, es ist ein starkes Album. Ich hätte aber irgendwie nach der Promo doch ein Schippchen mehr erwartet. Das ist Kritik auf hohem Niveau. Doch sollte das Album in der ersten Woche nicht mehr als 200.000 Mal verkauft werden, kann es schon als lahm bezeichnet werden.

Welcher Künstler behauptet sowas nicht? Es ist ein gutes Mittel, um die Leute neugierig zu machen und dass da alle Crew-Mitglieder mitziehen ist ja wohl völlig klar. Wie käme es denn rüber, wenn beispielsweise ein Wale sagen würde: “Hm, also der Rozay kann das besser”? Nicht so optimal natürlich. Das Album killt definitiv nicht alles, aber was man zugeben muss, ist, dass insbesondere produktionstechnisch sich viele, viele Künstler eine oder auch zwei Scheiben davon abschneiden könnten.

7. Denkst du, dass Rick Ross, mit nun mehr 36, noch lange Alben der Klasse der beiden letzten bringen werden kann?

Schwer zu sagen. Die Klasse und das Gefühl für gute Musik hat er. Es gibt ja genug Beispiele für Rap-Opas. Nur ein bisschen gesünder leben sollte er, sein Anfall zeigte ja, wie heikel das ist.

Man sollte das nicht vom Alter abhängig machen. Jay-Z ist noch um einiges älter und er macht weiterhin hervorragende Musik. Rick Ross kann Aben dieser “Klasse” herausbringen, wenn die Top-Produzenten und aktuellen Stars aus der Branche weiterhin daran interessiert sind, mit ihm zusammenzuarbeiten. Ich finde, dass er enorm abhängig von anderen Künstlern ist und dass die Instrumentals wichtiger sind als der Inhalt der Lyrics.

Die Antwort auf die letzte Frage bringt es eigentlich auf den Punkt. Perfekt gemasterte Instrumentals, sehr modern klingend. Ansonsten setzt sich Rick Ross mit seinen Standardthemen auseinander, was nicht so hervorragend ist. Deshalb 3,0 von 5 Punkten. Als Schulnote bekäme er eine 3 von mir.

Vielen Dank an Lukas, dass er sich das Album mal genauer angehört hat und ebenfalls danke für diesen Beitrag. Gutes Arbeiten mit dir. Einige Stücke aus dem Album gibt es bei den Soundtagen zu hören/sehen, eine Kurzreview in der Hörbar.

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