Wetterleidig

I got Summer hating on me ’cause I’m hotter than the sun.

Got Spring hating on me ’cause I ain’t never sprung.

Winter hating on me ’cause I’m colder than y’all,

and I would never, I would never, I would never Fall.

Direkt mit dem Thema hat der Auszug aus dem Track von Lil Wayne Mr. Carter nichts zu tun, doch ich finde, dass es dennoch ausdrückt, dass wir immer was zu meckern haben, dass Wetter es uns nicht recht machen kann.

Wir sind wetterleidig. Jetzt nicht im Bezug auf Kopfschmerzen oder Unwohlsein bei bestimmten Wetterlagen. Ich meine die Wetterleidigkeit in Bezug auf die Auffassung zum Wetter allgemein. Wir sehnen uns nach Sonne. Dann scheint sie uns zu sehr, es soll lieber mal wieder regnen. „Wann hört dieses miese Wetter wieder auf? Ich freu mich auf den Winter, Sommer ist zu heiß.“ Im Winter können wir es dann wieder kaum erwarten, bis die Sonne endlich wieder warme Strahlen in unsere Gesichter schickt.

Wenn nach längerer Zeit des trüben Wetters und Temperaturen um die 20 Grad dann das nächste Wochenende endlich die erhoffte Packung Sonne mitbringt, ist es auch nicht besser. Ganz Deutschland stöhnt unter dem Einfluss von Hoch Chantalle-Chayenne und der Hitze von bis zu 40 Grad. „Lass es endlich regnen, verdammt!“ Natürlich unterstützen die Medien, genauer die Wetterberichterstatter, uns in unserer Meinungsbildung über das aktuelle Wetter.

Wisst ihr, was ich meine? Es gibt unendlich viele Beispiele, die die Thematik darstellen, so vielseitig ist die Wetterleidigkeit. Aber wieso ist das so? Ist das die deutsche Mentalität? Liegt es uns im Blut, immer jammern zu müssen und nicht zufrieden zu sein mit dem, was wir haben?

Persönlich bin ich kein Freund von großer Hitze. Wenn mir bei 30 Grad die Klamotten am Leib kleben und jeder Schritt zu viel ist, dann ist das sehr unschön. Schon beim Nichtstun schwitzt man sich zu Tode. Man kann sich nicht wenig und luftig genug anziehen. Besonders unangenehm ist das, wenn es ein richtig schwüles Wetter ist. Da kennt der Schweiß kein Halten mehr. Dann lieber wissen, dass man sich bei -20 Grad schön mit dicken Socken, langer Unterhose, zwei Pullis und dicker Winterjacke „einmummeln“ kann. Zuhause dann die Heizung auf Stufe 5 das Herz erwärmen lassen und sich von innen mit einem Tee zusätzlich aufwärmen. Das einzige Problem ist im Winter, dass es oft widrige Straßenverhältnisse gibt, die einem dann die romantische Vorstellung vom dick eingepackten Winterspaziergang vermiesen. Sobald die Temperatur zwischen -5 und 5 Grad liegt, bin ich mir nicht sicher, ob ich überhaupt rausgehen will. Überfrierende Nässe ist äußert bescheuert. Welch Misere. Bleiben mir also noch Frühling und Herbst. Beide haben alles. Sie sind die Hybride unter den Jahreszeiten. Entweder ist es verdammt kalt oder recht warm. Es kann regnen, aber auch gut und gerne mal noch ein wenig schneien. Den Vorzug erhält der Frühling, da er so eine Aufbruchstimmung sein Eigen nennt. Nach einigen Monaten ohne draußen Basketball zu spielen bringt es für mich zusätzlichen Reiz, die ersten Sonnenstrahlen zu nutzen, um wieder auf den Platz zu ziehen.

Ihr seht: auch ich habe zu meckern. Noch mehr meckere ich aber über die meckernde Meute, denen es wohl echt nie recht ist. Denen ist der Frühling dann zu wechselhaft, zu viel Regen und im Herbst liegen überall diese blöden Blätter rum. Im Winter und im Sommer sind viele Menschen fast unausstehlich, wenn mal irgendetwas nicht normal erscheint. Zu kalt, zu früh Schnee, zu heiß, für die Jahreszeit total ungewöhnlich. Der Meinungsäußerung und den Anforderungen an das Wetter sind keine Grenzen gesetzt. Wieso aber?

Verständlich ist, dass die Menschen meckern und kein gutes Wort finden, wenn es durch die Hitze zu Bränden kommt, die Natur und Hab und Gut zerstören, wenn durch zu viel Regen die Flüsse überlaufen und es zu Überschwemmungen kommt, die alles mitreißen, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist. Klar, dass Menschen, die Kreislaufprobleme oder andere Beschwerden haben und sich in extremer Hitze in unangenehmen Situationen wiederfinden, sich kühlere Tage herbeiwünschen.

Doch muss wirklich jeder Tag, jede noch so kleine Abweichung vom eigenen Geschmack oder von der allgemeinen Anschauung kommentiert und verabscheut werden? Jeder Regentropfen, der im Juli zu viel fällt, wird zum Staatsfeind Nr. 1 erklärt. Temperaturen jenseits der -10 Grad sind sibirisch und unmenschlich, der Schnee, wenn er denn fällt, fällt zu viel. Wenn er ausbleibt, ist es kein richtiger Winter.

Haben wir nicht genug Probleme, die uns davon abhalten könnten, das Wetter zu hassen, was wir ja eh nicht ändern können? Arbeiten, in der Schule sitzen oder was auch immer machen nun mal unter bestimmten Umständen keinen Spaß. Doch vielen Menschen geht es ähnlich oder noch schlimmer. Wenn man sich über das Wetter aufregt, kann man das gern tun, ich ertappe mich ja auch oft beim Verfluchen jeglicher Wettererscheinungen. Versuchen wir aber, es uns nur zu denken und nicht jeden Gedanken der Welt preiszugeben. Leider werden das die Radio- und Fernsehmoderatoren nicht lesen, sie werden sich weiterhin wie Wendehälse verhalten und zu jeder Wetterlage mit Krampf was schlechtes berichten.

Wenn ihr euren Unmut publik machen wollt, dann bitte kreativ wie Rudi Carell.

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