Wer ist der Herre im Haus?

Neulich war einer dieser Tage, an denen ich Lust auf Radio hatte. Also fix das Gerät eingeschaltet und den Sendersuchlauf gestartet. Schon nach kurzer Zeit fand ich einen Sender, den ich bisher nicht kannte. „KAHEDI-Radio“. Der Moderator ist Max Herre. Ihn wiederrum kenne ich doch aber schon etwas länger, unter anderem als Frontmann der Gruppe „Freundeskreis“. Sein Name steht in ganz Deutschland für Qualität. Grund genug, dass ich seiner Show Hallo Welt! ein wenig lausche.

Das Programm scheint nach den ersten Minuten ein Mix aus Hip Hop und viel Soul zu sein. Gefällt mir. Irgendwie schwimmt trotz des verbreiteten Optimismus eine gewisse Prise Gesellschaftskritik und Pessimismus mit, doch das hält sich in Grenzen. Max Herre ist kein Alleinunterhalter. Deswegen hat er sich für den ersten Teil seines Programms viele Gäste ins Boot geholt. Und es sind nicht namenlose Gäste. Samy Deluxe, Tua, Cro, Clueso und Philip Poisel. Lediglich Fetsum und Antonio von Mega!Mega! sind mir unbekannt, doch auch sie unterhalten gut. Fühlt sich wie Fliegen an ist eine sehr lockere Hymne an die Frau und das Flirten und Verliebtsein und kommt dabei nicht so platt mit Arsch wackeln, dicker Hose und Koitus daher. Mit dabei das aktuelle Wunderkind des Geschäfts, Cro. Gute Arbeit. Aber auch Solang, Wolke 7, Aufruhr und Einstürzen Neubauen sind klasse Beiträge. Der erste Teil des Programms schließt mit einem Rückblick ins Jahr 1992. Wie kam es wie es kam? Interessante Geschichte, schicker Beat. Für die Hip Hop Heads.

Danach wird der Moderator persönlich. Er berichtet über seine noch junge Tochter Vida. Unterstützt wird er von Aloe Blacc, der hierzulande leider fast nur wegen I Need A Dollar bekannt ist. Sein Beitrag zeigt, wieso sich das ändern sollte. Er ist ein klasse Sänger. Mensch, ich würde auch solch ein Lied schreiben, wenn ich es könnte.

Also bisher ist Hallo Welt! ein Geschenk für die Ohren. Mal sehen, wie es weiter geht.

Max Herre kündigt KAHEDI Dub an. Mh, Dubstep ist nicht so meins, doch dann gibt der Beitrag Entwarnung. Ein leichter Einfluss vom Reggae ist nicht von der Hand zu weisen. Und plötzlich geht das Licht aus und Marteria ergreift das Wort. Eine Stimme geboren fürs Radio.

Und dann wird es dramatisch. Die Kurzdokumentation Berlin – Tel Aviv über die 13 jährige Elli Weinreb. Sie spielt in Berlin im Jahr 1938. Nationalsozialismus. Judenverfolgung. Elli musste Abschied vom Vater nehmen und ging mit ihrer Mutter nach Tel Aviv. Sie erinnert sich noch an die letzten Worte, die ihr Vater ihr am Bahnsteig zurief. „Man soll keine Träne weinen, wenn man ins Land seiner Väter reist.“ Eine sehr bedrückende Stimmung, die durch den erstklassigen Beitrag von Sophie Hunger unterstützt wird. Eine wunderbare Doku. Eine Ausnahmeleistung.

Nach so einer Sendung macht der Moderator das einzig richtige. Er macht gute Laune. You Are So Beautiful schallt es aus den Lautsprechern. Ein hervorragender Aloe Blacc gibt zum zweiten Mal sein Können zum Besten. Eine solche Hymne an einen Selbst macht Mut.

Bald ist die Show zu Ende. Zeit  für eine tragische, aber witzige Geschichte. Abserviert schildert die Gefahr, trotz viel Honig um den Mund geschmiert zu bekommen, eine Abfuhr erteilt zu bekommen. Aber diesem Gefühl mit vielen Schmetterlingen im Bauch ist einfach zu schwer zu widerstehen. Köstlich.

Natürlich musste sich Max Herre einige Frage gefallen lassen, wieso er so lang nichts mit Rap gemacht hat. Er antwortet auf seine Art. Rap ist zeigt die Gründe, wieso er Rap mag. Unterstützt wird er von Megalohdessen Stimme schon einschüchternd ist. Aber Recht haben die beiden, denn die genannten Gründen machen Rap so geil!

Max Herre hat es geschafft. Er hat mich mit seinem Programm Hallo Welt! wunderbar unterhalten.  Ich werde wohl in Zukunft öfter „KAHEDI-Radio“ einschalten. Wäre das Programm ein Album, dann würde ich ihm 4,25 von 5 Punkten geben. Ein Rap-Album mit so viel Soul ist selten zu haben. Es ist auf den Punkt gebracht ein klasse Stück Musik mit starkem Inhalt, klasse Gästen, die jedoch stets Gäste bleiben und Max Herre der Fackelträger ist, plus den eben benannten Mix aus Soul und Rap. Deutscher Hip Hop ist weiter auf Goldkurs.

Die Kurzreview findet ihr wieder in der Hörbar. Am Wochenende beschäftigt sich noch Lea mit dem Album. Auch ihre Zeilen werden hier zu lesen sein.

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