Quo Vadis, Boston Celtics?

Seit dem 27.1., also seit fast genau zwei Wochen, sind die Boston Celtics ungeschlagen. Mit einem wahnsinnig guten Spiel gegen die Miami Heat begann die Serie von sechs Siegen in Folge. Nun geht es gegen die ebenfalls “heißen” Nuggets, die ihrerseits seit acht Spielen gewonnen haben. Das wird eine interessante Partie.

Das wunderliche ist, dass die Celtics diese sechs Siege ohne ihren Point Guard, der zu den besten der Liga zählt, Rajon Rondo bestreiten mussten. Für viele schien das das Ende der Reise Richtung Playoffs gewesen zu sein, oder zumindest waren ohne Rondo die Chancen auf ein Überstehen der ersten Playoff-Runde gleich Null. Immerhin ist Nummer 9 quasi das Hirn der Celtics, die Schaltzentrale. Während der Serie ging auch noch Rookie-Forward Jared Sullinger verloren, der aufgrund einer Rückenverletzung die restliche Saison ausfallen wird.

Als ich las, dass Rondo gegen die Heat fehlen wird, dachte ich nichts schlimmes. Erst im Verlauf der Partie sickerte die Nachricht durch. Die Spieler waren die gesamte Partie über ebenso im Unklaren. Was nicht verwunderte, da Rondo noch am Vortrag fleißig und ohne große Schmerzen mittrainierte. Wozu also Sorgen machen? Letztlich war es doch eine schlimme Verletzung und die Frage, wohin die Reise der Boston Celtics nun geht, ist aktueller denn je. Sei es auf kurze Sicht, oder lange Sicht.

Vier der sechs Partien habe ich live bzw. “on demand” verfolgt. Gut, die Gegner waren bis auf die Heat und Clippers nicht die besten, ja auch die Los Angeles Lakers sind ja zur Zeit eher ein Trauerspiel. Trotzdem möchte ich die Siege nicht herunterspielen, da in jeder Partie gekämpft wurde. Am meisten fiel jedoch die andere Spielweise auf. Es mag komisch klingen, aber die Celtics spielen die letzten Spiele – ohne Rondo – ihren besten Basketball der Saison. Vor allem defensiv. Erstaunlich, da auch ein starker Rebounder in Person von Sullinger vermisst wird. Aber auch die Offense wirkt viel frischer, viel variabler. Während der Ball im Spielaufbau normalerweise fast ausnahmslos durch die Hände von Rondo ging, hatten in den letzten sechs Spielen mindestens sechs Spieler einen oder mehr Assists. Der Ball wandert mehr durch die eigenen Reihen. Dementsprechend sind die Celtics vielseitiger. Jeder wird eingebunden, die Offensive wirkt somit weniger statisch. Damit möchte ich nicht sagen, dass Rondo das Spiel der Celtics lahmt, doch man muss schon zugeben, dass diese Ballverteilung beeindruckt. Die beiden Überbleibsel der Ära der “Big Three” Paul Pierce und Kevin Garnett zeigten sich auch von ihrer besten Seite. Sie können keine ganze Partie, geschweige denn eine ganze Saison so dominieren wie noch vor einigen Jahren, aber gerade die Performance in den letzten Spielen ist schon beeindruckend. Ich bin wirklich zufrieden mit dem Team.

Die Saison bisher war an sich eher eine Achterbahnfahrt. Vor den sechs Siegen gab es sechs Niederlagen in Folge. Davor wieder sechs Siege in Serie und davor wieder vier Niederlagen. Ist die aktuelle Serie nur eine von vielen? Wird “UBUNTU” sich weiter gegen die Gegner stemmen? Bleibt Jeff Green der aggressive Scorer von der Bank? Vor allem: Wie reagiert der Manager Danny Ainge auf die Ausfälle von Rondo und Sullinger?

Hier zwei Zitate von Quote.fm, die ich postete:

The harsh truth is that the blow is not just the end of a season for Rondo, but the end of the road for this core group of Celtics that won a championship in 2008 and lost in The Finals to the Lakers in 2010.

I’m going to look and see what opportunities are there, like any other year,” Ainge said. “Last year, I was close to making a change that I felt would give us a better chance in the here and now, and in the future. And those are hard to do.

Ich möchte diese Zitate nicht weiter kommentieren, lieber selbst vertieft versuchen etwas Analyse zu betreiben.

Wenn irgendwas passieren soll, dann ist die Frage, worauf der Fokus liegen soll. Einerseits gibt es die Möglichkeit die Chancen auf einen tiefen Run in die Playoffs zu wahren und kurzfristig auf den Ausfall der beiden Spieler zu reagieren. Auf der anderen Seite kann man radikal umbauen, vielleicht die “Big Three” entgültig sprengen und einen Neuanfang wagen. Oder man lässt das Team so, hofft auf eine positive Entwicklung der Bilanz und wartet die Offseason ab. Was ist die beste Lösung? Welche Möglichkeiten gibt es?

Vor einigen Tagen ging ein Gerücht um, dass ein Trade Kevin Garnett zu den LA Clippers schicken würde. Gerüchte gehören zum Geschäft, aber im Interesse der Celtics möchte ich hoffen, dass sie die Finger davon lassen. Von jedem Trade der Kevin Garnett betrifft! Denn wenn Rondo das Gehirn des Teams ist, dann ist “KG” das Herz. Seit jeher bekannt für Eifer, Einsatz und Leidenschaft ist Garnett DER Garant für eine existente Verteidigung der Celtics. Ohne Garnett würde die Defense kollabieren. Sie ist eh nicht mehr so genial wie vor einigen Jahren, doch sie ist streckenweise noch immer erschreckend effektiv. Vor allem in den letzten Spielen ohne Rondo, der ja auch ein erstklassiger Verteidiger am Ball und in den Passwegen ist. Hoffentlich wird Garnett bei jedem Trade Gebrauch von seiner “No-Trade-Klausel” macht. Diese erlaubt es ihm jedes Tauschgeschäft, welches ihn verschiffen würde, ablehnen kann. Jedes. “KG” ist eine treue Seele, wenn nicht sogar der loyalste Spieler der Liga. Er hat keinerlei Interesse zu gehen.

Ebenso kritisch würde ich einen Tausch von Paul Pierce sehen. Seit 1998 ist der Kelte, lebt auch für diesen Verein. Hat viele Tiefen, aber auch die Höhen des Teams miterlebt und die letzten Jahre auch geprägt. Klar, seine knapp über 30 Millionen für diese und nächste Saison kann man gut für neue, frische Beine eintauschen, fraglich ist aber die Konsequenz für die Chemie. Wie würde Garnett reagieren? Wie würde sich Rondo fühlen, wenn er nächste Saison ohne seine beiden Führungskollegen antreten müsste? Für mich würden solche Tauschgeschäfte keinen Sinn ergeben. Aber nach den letzten Aussagen von Danny Ainge ist bei ihm sowas nicht ganz zu erkennen. Für ihn scheint Geschäft vor Chemie zu kommen, was zu einem Teil auch verständlich ist, doch im Falle von Pierce und Garnett wäre das eine glatte Katastrophe.

Wenn ich mir den Roster so ansehe, würde ich höchstens Brandon Bass und/oder Jason Terry traden. Vielleicht eher Bass statt Terry, denn dessen Killerinstinkte sind sicher noch zu gebrauchen. Wie wäre es mit einem Tausch, der die beiden nach Atlanta schickt und Josh Smith dafür nach Boston bringt? Smith wäre ein sensationelles Upgrade im Gegensatz zu Bass. Daneben ist er variabel auf beiden Forward-Positionen einsetzbar. Terry wäre mit Keyon Dooling oder beispielsweise auch Derek Fisher ersetzbar. Beide sind zur Zeit ohne Verein und würden dem Team sicher noch helfen können. Generell gibt es viele gute vertragslose Spieler, die sicherlich dankbar für einen Vertrag wären. Meiner Meinung wäre das vielleicht die beste Variante. Die zwei freien aktiven Kaderplätze von Rondo und Sullinger für Free Agents nutzen und nächstes Jahr dann entspannt schauen, welche Optionen man hat. Neben den beiden genannten Guards würde ich wenig gegen eine Verpflichtung von Kenyon Martin sagen können. Es sind keine potentiellen Starter, aber einige Minuten von der Bank sollten sie schon effektiv nutzen können.

Oder eben weniger wichtige Spieler abgeben, die ebenfalls leicht durch Free Agents ersetzt werden können und gleichermaßen gute Rollenspieler nach Boston bringen. Neben Bass, Terry ist das noch Courtney Lee. Die anderen Spieler verdienen nur das Minimum und sind damit wenig zu gebrauchen. Höchstens als “Trademasse”.

Das aktuelle Team stimmt mich jedoch erstmal positiv. Der Einsatz stimmt, die Spiele lassen sich gut ansehen. Das Spiel gegen Denver wird zeigen, ob es wirklich so stark ist, wie die letzten Spiele schien. Auch wenn sie verlieren sollten, kann die Spielweise doch genug über die Lage oder folgende Schritte Aussagekraft besitzen.

Was auch immer passiert, ich werde mit Spannung auf die kommenden zwei Wochen schauen. Nach der Trading Deadline am 21.2. geht nichts mehr. Ich habe fast schon Angst. Doch der Fall von Ray Allen zeigt, dass man damit klar kommt, auch klar kommen muss. Zuerst schmerzlich vermisst, vielleicht trotzdem nach wie vor ein bitterer Abgang, doch man muss nach vorn sehen. Wenn es für das Team Optionen gibt, die es voranbringen kann, dann akzeptiere ich diese, denn “I’m a Celtic!”

UBUNTU!

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