The 20/20 Experience – Eine Review

Sieben Jahre ist es her. Sieben lange Jahre mussten wir auf ein neues Album von Justin Timberlake warten. Mit Futuresex/Love Sounds hat er quasi ein Manifest abgeliefert. Das Album war nahezu perfekt. Klassischer R’n’B in einem futuristischen Soundkleid. Nun also The 20/20 Experience als drittes Soloalbum. Hat sich das lange Warten gelohnt?

Lukas hat bei der Review zu Long.Live.A$AP das direkte Punktesystem zu einzelnen Liedern gewählt. Dieses möchte ich hier auch anwenden. Eine kleine Gesamtbewertung folgt natürlich aber dennoch.

Pusher Love Girl beginnt wie ein Film. Streicher sind immer gut. Es folgt eine langsame jazzige, soulige und zugleich poppige Hymne an eine besondere Frau. Mit dieser Frau ist er wie auf Drogen. Die Hook und die Bridge sind klasse, der zweite Teil des Tracks ist nochmal eine Bestätigung des ersten Teils. Die Frau ist eben auch seine Droge. Vergleichbar mit Kokain, Nikotin oder was auch immer. Oh, die Frau des Songs ist übrigens Jessica Biel. Eigentlich müsste man den Titel zweifach bewerten, da die zwei Teile unterschiedlich gut klingen. (+)

Suit & Tie bringt auch das einzige Feature des Albums. Justin und Jay-Z machen den Eindruck direkt aus den 70ern gekommen zu sein. Der Song hat so viel Flair. Anzug und Krawatte werden nicht alt und wir können noch einiges von Justin lernen. Jay-Z holt derweil die teuren Fummel und Flaschen raus um einen Drauf zu machen. Am Ende ein paar Shouts an die Schwiegereltern in spe. Eine bessere erste Single hätte es nicht geben können. (++)

Don’t Hold The Wall ist eine einfache Aufforderung zum Tanzen, und nicht nur an den Wänden rum zu hängen. Ebenso einfach ist der Beat, aber das orientalische Flair hat Timbaland hier passend gewählt. Zudem wird der Beat im zweiten Teil noch eine Spur schärfer. Justin macht seine Ansage an das Mädchen der Stunde deutlicher und Timbaland legt auch eine Schippe zu. Passt. (+)

Strawberry Bubblegum beginnt mit einer Ansage an die Frau der Träume. Ja, auch hier geht es um die Liebe. Bitte, liebe Traumfrau, bitte ändere nichts, denn so wie es ist, ist es am besten. Ich liebe es, so wie es ist. Genau mein Geschmack! Eben wie Erdbeerkaugummi. Letztlich braucht man zum Text nichts mehr zu sagen. Hier scheint der Pop-Einfluss recht groß zu sein, dennoch ist der Track sehr gediegen. Auch der zweite Teil hat so ein gewissen Etwas. (+)

Tunnel Vision ist für mich das Highlight der Platte. Textlich und thematisch nichts neues, da auch hier das Verlangen nach der einen bestimmten Frau gestillt werden will, doch musikalisch und gesangstechnisch ist der Track total super gelungen. Justins Stimme drängt sich nicht auf, sondern passt sich der Stimmung des Songs wie ein Maßanzug an.  Nichts zu meckern. Top. Auch die Adlibs von Timbaland geben dem Titel einen weiteren Kick. (++)

Spaceship Coupe macht ein kleines Cabrio Coupé zum Raumschiff. Inklusive Flug zum Mond, schließlich ist die Frau der Träume auch nicht von dieser Welt. Der Titel ist an sich schon ok, doch mir ist es irgendwie etwas zu schmalzig. Liegt vielleicht am Tempo der Nummer, da ja auch hier thematisch nichts neues umrissen wird. (-)

That Girl ist der süßeste Track des Albums. Ein schön vorgetragendes Stück Soul mit passenden Backgroundvocals. Man stelle sich Justin auf der Bühne mit seiner kleinen aber feinen Band vor, wie er diesen Track vorträgt. Authentischer geht es nicht. Die Liebe kennt keine Grenzen, alle denken, dass wird nichts oder zumindest dass sie verrückt sind. Macht aber nichts. Es ist schließlich DIE Frau. (+)

Let The Groove Get In hat großes Ohrwurmpotential. Das liegt am südamerikanischen Sound und dem eingehenden Refrain. Dazu muss man sich zwangsweise bewegen oder zumindest sich fühlen wie auf der Tanzfläche einer brasilianischen Disko. Und das geht die ganze Nacht so. (+)

Mirrors ist ein direkter Vergleich eines Partners mit sich selbst als Spiegelbild. Man findet jemand und sieht quasi sich selbst. Man findet seinen Seelenverwandten. Natürlich schwingt hier auch wieder der direkte Bezug zu Jessica Biel mit. “And now it’s clear as the promise that we’re making” oder “Baby, you’re the inspiration to this precious song” sprechen eine deutliche Sprache. Ein sehr schöner Song. (++)

Blue Ocean Floor ist ein sehr atmosphärisches Outro. Liebe geht tiefer als es der Ozean ist und Justin fühlt sich wie neu geboren. Ein prinzipiell schöner Schlusspunkt auf der Reise durch die Liebeswelt auf der Suche nach dem Seelenverwandten, doch trotzdem passt der Song nicht wirklich auf das Album, da es musikalisch zu isoliert wirkt. Es macht zwar Sinn es so zu vertonen, da man ja auch dem Grund des Ozeans ist, doch ist passt halt nicht so sehr. (-)

Bie beiden Bonustracks Dress On und Body Count sind auch in Ordnung. Ersterer zeigt, dass man allerhand machen kann, auch wenn die Frau noch etwas an hat. Ich sag erstmal nichts mehr dazu. Timbaland gibt auch noch ein paar Zeilen dazu. Letzterer lässt vermuten, dass Justin eine Liste braucht um alle Verehrerinnen zu ordnen. Bitte eintragen.  Und wenn dann die Erwählte an der Reihe geht es los. Schicker Refrain und schicker Beat. Auch hier gibt “Timbo” einiges zum besten.

Nach knapp 70 Minuten mit The 20/20 Experience bleibt mir noch Zeit für ein Fazit. Es ist ein sehr gutes Album. Thematisch eindimensional, ja, aber musikalisch schon sehr individuell, dank Zauberbeats von Timbaland. Als störend könnte man anbringen, dass fast jeder Track aus zwei Teilen besteht. Bei Pyramids von Frank Ocean war das für mich so eine Offenbarung. Wenn aber alles aus zwei Teilen besteht, verliert das ein wenig an Reiz. Ok, das Konzept der Lieder sieht das wohl vor und schlecht klingen sie meistens nicht, aber mir wären zwei, drei Lieder mehr lieb, als die Spannung künstlich über Sieben oder Acht Minuten so hoch zu halten. Das ist aber eigentlich der einzige Kritikpunkt. Stimmlich und stilistisch gesehen ist das Album seinem Vorgänger zwar nicht so ähnlich, aber ebenbürtig. Justin Timberlake ist auf diesem Album ein reifer Künstler. Dank Timbaland, Tom Ford und auch dank Jessica Biel. Ich möchte den Leuten auch danken.

Ich gebe dem Album 4,0 von 5 möglichen Punkten. In der Hörbar wieder die kleine aber feine Übersicht.

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