Willkommen im Hinterland – eine Review von @Tondinho_

Mein erstes Aufeinandertreffen mit Casper alias Benjamin Griffey hatte ich auf einem Parkplatz vor einer Frankfurter Sporthalle. Er war seinerzeit Support für Prinz Pis “Tourette Tour” in/auf einem Red Bull Tourbus. Es waren vielleicht 300 Leute da, die sich gefragt haben wer denn der Typ in der engen Hose und der “Emo”-Friese war. Bis er anfing zu rappen, oder besser gesagt, zu flexen. Trotz miesem Sound, sicht- und hörbarer Nervosität und einem verpeilten unmotivierten DJ, hat er eine sehr energiegeladene spaßig-unterhaltsame Show abgeliefert. Noch heute denke ich selig an den Propeller Remix auf den Wiz Khalifa-Beat (Checkt das unbedingt mal auf YouTube!). Kurz drei Jahre vorgespult und XOXO tritt mit einer unfassbaren Promokampagne und einem unerwartet großem Hype, dem der sympathische Lil B-Fanboy souverän gerecht wurde, auf den Plan. Jetzt also das dritte Album, das sich aber nach dem riesigen Erfolg und “Impact” von XOXO wie das zweite Album nach einem unheimlich erfolgreichen Debüt (so Arctic Monkeys-mäßig, du weißt) anfühlt. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt euch zu sagen, dass ich schon ein ziemlicher Casper-Fanboy bin. Dementsprechend war ich sehr gespannt, als ich Hinterland zum ersten Mal hören konnte. Es war zwar 1 Uhr nachts und ich musste am nächsten Tag früh raus, aber verdammt, das ist Casper! Ich weiß nicht, ob’s die Uhrzeit oder andere Faktoren waren, aber das Album war für mich nach dem ersten Hören zwar gut, aber nicht überragend. Dieses Ich-höre-hier-gerade-etwas-ganz-großes-Gefühl à la XOXO hat sich nicht eingestellt. Um es auf den Punkt zu bringen: Hinterland fand ich “anders, aber gut”. Die Songs sind super und vielfältig. Es gibt eingängige Indiepop-Hits (Alles endet, Nach der Demo ging’s bergab!, Ganz schön okay), Balladen (20 qm, Lux Lisbon) und Songs, die teilweise nach “klassischem” Rap (Ariel, Jambalaya, Endlich angekommen) klingen. Sogar eine Murder Ballad à la Nick Cave ist mit “La Rue Morgue” vertreten.

Musikalisch überzeugt Hinterland gerade wegen seinem vielfältigen Sound. Die musikalische Basis habe ich selbst gehört oder höre sie immer noch und es ist ein Glücksfall für die Hip Hop-Szene, dass jemand “die Eier” hat eine gerappte Singersongwriter-Platte zu machen. Die Songs sind durchkomponiert, komplett und durchdacht. Vor allem Kleinigkeiten wie der eingängige Refrain bei 20 qm und die akustische Räumlichkeit des Songs oder das Riff in Lux Lisbon machen das Album vom musikalischen Standpunkt betrachtet zu einem Highlight. Jeder Song hat einen so eingängigen Refrain, dass ich ständig irgendeinen Song der Platte als Ohrwurm habe.

Er ist als Songwriter hörbar gereift und hat sich enorm gesteigert, aber Singersongwriter-Platten leben auch von ihrem Inhalt. In mehreren Interviews erwähnte Casper, dass Hinterland ein Konzeptalbum sei, das seine Jugend in der deutschen Provinz beschreibt. Und nun wird’s für mich den Fanboy kritisch. Die (eigene) Jugend war bereits auf XOXO ein großes Thema. Auch wenn dort eher eine diffuse jugendliche Angst, Wut und Resignation vorherrschende Themen waren, war der rote Faden, wie auch auf Hinterland die Jugend. Musikalisch hebt Casper das Ganze auf Hinterland auf ein neues Level, aber inhaltlich fühlt es sich für mich manchmal wie “XOXO 1.5” an. Er hat das Talent in 4 Minuten großartige Geschichten (20 qm, Rasierklingenliebe) zu erzählen und auch das kommt hier zur Geltung, aber für mich ist das Album (noch) nicht der große Klassiker, den Casper anpeilt.

Highlights: Endlich angekommen, Lux Lisbon, Ariel, 20 qm & Jambalaya.

Musikalische Highlights: Die Ghostnotes in Endlich angekommen, der Refrain von 20 qm, die Chöre auf Hinterland & das Riff bei Lux Lisbon.

Wertung: 4,5 von 5 Punkten.

Vielen Dank für die Review. Die Kurzreview wie immer in der Hörbar. Ich möchte keine direkte Review abgeben, habe das Album nur 2 mal gehört. Dennoch habe ich eine Meinung, die ich fix preisgeben möchte. Es ist ein gutes Album, welches sich super für einen Roadtrip eignet. Nicht der klassische Rap, sondern tiefschichtige Musik. Dafür muss man Casper respektieren.

Von mir kommt demnächst noch die Review zum aktuellen Album von Drake.

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