“Nothing Was The Same” – bleibt alles anders? (Review)

Als ich das erste Mal Drake hörte, dachte ich, was der Quatsch soll. Gesungener Refrain und gerappte Strophen. Von einem einzigen Typen. Best I Ever Had war das im Jahr 2009. Schmalziger Frauenversteher. Ein schmalziger Frauenversteher ist Drake ja 2013 noch immer irgendwie, doch er hat eben nicht nur diese eine Seite. Auf seinen bisherigen Alben zeigte er, dass der Spagat zwischen R’n’B und Rap zwar schwierig ist, er ihn aber eigentlich wahnsinnig gut beherrscht. Mit seiner besseren Hälfte Noah “40” Shebib schuf er Musik, die wie für die Ewigkeit gemacht ist. Thank Me Later war mehr als ein Debüt, Take Care machte vieles noch besser und sein 2009er Mixtape So Far Gone war einfach unfassbar genial und irgendwie seiner Zeit voraus. Schwer vorstellbar, wie es wäre, wenn ich Drake noch immer nicht gut finden würde. Eine berechtigte Frage ist nun, ob das neue Album Nothing Was The Same auch dieses unnachahmliche Gesamtkunstwerk ist, wie die bisherigen Werke. Mit Started From The Bottom kam dann im Vorfeld ein etwas anderer Track, der die Hörer (auch mich anfänglich) vor viele Schwierigkeiten stellte. Ein moderner Trap-Beat von einem Unbekannten namens Mike Zombie, kein gewohnter lieblicher Gesang. Stattdessen ein starkes Statement, verpackt in straffen Lines und vielleicht DEM Hashtag des Jahres: #nonewfriends. Erwartet uns also ein komplett neuer Drake? Getreu dem Albumtitel? Blieb alles anders?

Ich stelle das Fazit der Review direkt an den Anfang. Drake ist noch immer Drake, aber anders. Drake klingt wie Drake. Nur eben anders. Alles bleibt anders. Es gibt den Drake, der die Herzen der Frauen schmelzen lässt, den Drake, der Zeilen für die Jungs auf Lager hat. Man hat die genialen Produktionen von 40, hört aber auch verstärkt deutlich Einflüsse andere Beatbauer an den Reglern. Er macht wirklich alles wie immer, nur klingt es diesmal anders.

Nothing Was The Same ist quasi ein Zwischenfazit. Drake hält inne, rekapituliert das Geschehene und Gesehene. Es ist sein “state of mind”. Garniert wird das mit den üblichen Themen Geld, Frauen und generell die Liebe. Nach den ersten Hördurchgängen fand ich keine wahrlichen Überflieger. Am besten waren noch die Vorabsingles Hold On, We’re Going Home, Started From The Bottom, Wu-Tang Forever und Too Much (als Live-Auftritt bei Jimmy Fallon). Mal war mir der Refrain zu komisch gesungen (Furthest Thing), der Text zu rotzig (Worst Behaviour) oder einfach das Gesamtwerk zu komisch oder belanglos (Connect, The Language, 305 To My City). Ich muss sagen, dass Drake hier klar besser ist auf den Tracks, bei denen er mehr rappt als singt. Vor allem auf dem Intro (Gott, wie lang geht dieses Intro noch, Drake) Tuscan Leather, auf dem er mal einfach auf drei Beats abgeht und es wohl stundenlang machen könnte, dem quasi-Outro Pound Cake/Paris Morton Music 2 und auf Too Much ist sein Storytelling wahnsinnig gut. Die zweite Strophe vom letztgenannten Song ging mir regelrecht nah. Aber auch der Kurzabriss zum Werdegang, als er auf dem A Milli Beat rappte und dies dann Lil Wayne hörte, ist recht schön. Leider wird der Track von Jay-Z irgendwie missbraucht wieder anzugeben, das er eigentlich der reichste und geilste ist. Klar, das stimmt sicher, doch ein wenig mehr Abwechslung hätte dem Part gut getan.

Das Intro ist irgendwie eine grobe Abrechnung mit den Zweiflern und Neinsagern, die dachten, Drake würde es nicht schaffen. Dieser Gedanke zieht sich durch das gesamte Album. Drake war oft zefressen von Selbstzweifeln. Letztlich hat er es doch gepackt. Nun kann er auf alles scheißen. Er kann sich daneben benehmen (Worst Behaviour). Jetzt kommen auch die Zweifler und tun ganz heilig. Wisst ihr noch? Damals? Alle waren gegen Drake. Und nun? Tja, die dritte Strophe des Tracks, den der anscheinend sehr gut aufgelegte DJ Dahi produzierte, zeigt euch, was heute Fakt ist. Ein ebenso schöner Moment ist es, als Drake über seinen Vater rappt. Die Lines “We’ve been talkin’ ’bout the future and time that we wasted / When he put that bottle down, girl that nigga’s amazin'” sind so persönlich und ehrlich. Wow. Die Strophen selbst dienen als direkte Antwort auf die Frage seines Schatzes, wovor er Angst hat. Wieso kann er sich nicht hingeben? Jhene Aiko singt übrigens so wunderschön. In der dritten Strophe unterhält sich Drake nochmal mit seiner imaginären Freundin, dabei ist er sehr selbstreflektorisch.

Own It wälzt den Gedanken von Wu-Tang Forever um. Statt um das Game, das von Drake beherrscht wird, geht es nun um sein Herz, das ganz allein IHR gehört. Klingt so ganz gut, kommt so diesem sehr melodisch geheimnisvollen Drake am nächsten, doch zündet bei mir nicht wirklich. Der herzschmelzende Drake kommt am besten auf Hold On, We’re Going Home. Eine Hymne an die Frau der Träume. Irgendwie wie The Best I Ever Had. Sehr schmalzig, aber das hat halt auch was. Schön ist auch der 80er Jahre Sound des Liedes. Leider hat das komische Video zum Song ein wenig die Mystik genommen. Sorry.

Bei den Tracks Connect, The Language305 To My City und Furthest Thing will der Funke nicht überspringen. Vielleicht passiert das noch, bisher sind das aber die Tracks, die mir nicht gefallen. Highlights sind dagegen die bereits näher beleuchteten Tuscan Leather, Started From The Bottom, From Time, Hold On, We’re Going Home, Too Much und Pound Cake/Paris Morton Music 2.

Drake ist also wirklich noch Drake. Viel Herzschmerz, dazu Hiebe für die Hater und eine schicke musikalische Untermalung von seinem Partner “40”. Mehr zur Musik: DJ Dahi macht einen starken Beat, Hudson Mohawke wird arg reduziert, Detail wagt sich in Richtung atmosphärischen Tunes, Chilly Gonzales, sowie Nineteen85 zaubern schicken R’n’B und Mike Zombie macht einen fetten Trap Beat.

Mir fällt es dennoch recht schwer, dieses Album zu bewerten. Einerseits mag ich Drake. Die Vorgängeralben waren so besonders. Natürlich ist es auch unfair, ihn an diesen Meilensteinen zu messen. Jedesmal eine Schippe drauflegen ist nach solchen Dingern schwer. Es ist halt wirklich nicht direkt wie früher, obwohl es das gleiche ist. Der Albumtitel ist wirklich passend. Aber andererseits auch doch nicht. Den zahlreichen schönen Songs stehen nur wenig nicht so gute gegenüber. Viel Noah “40” Shebib ist ein Qualitätszeichen. Dennoch bleibt was, was mich daran hindert, das Album so komplett zu verschlingen und zu zelebrieren, wie es bei den Vorgängern der Fall war. Ich weiß aber nicht was es ist. Ich gebe dem Album 3,5 von 5 möglichen Punkten. Dies ist eine Momentaufnahme. In ein paar Monaten kann ich das Ergebnis vielleicht nicht mehr nachvollziehen.

Was meint ihr? Ist das Drakes bestes Album? Kommentiert es!

Die Kurzreview gibt es wieder in der Hörbar.

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