Marshall Mathers LP 2 – Review (Teil 2)

Ende Dezember, übermorgen Heiligabend. Circa 6 Wochen nach Veröffentlichung schließen Lukas und ich die Review zur MMLP 2 ab. Nach seinem Beitrag samt Fazit folgt das meinige.

Was haben wir uns von Eminems Album erhofft? Was haben wir bekommen? Mit diesen Fragen beschäftige ich mich in meiner Review.

Nach langer Zeit meldet sich einer der besten Rapper überhaupt mit der Marshall Mathers LP 2 zurück. Diese Titelwahl hat bei mir die Hoffnung geweckt, dass ich endlich mal wieder den alten Eminem zu hören bekomme. Den komplett verrückten und deshalb extrem unterhaltsamen Künstler mit abwechslungsreichem Rap-Stil und Ohrwurmhooks. Das letzte Mal als diese Attribute ansatzweise zum Vorschein kamen, war – meiner Ansicht nach – 2009 auf Relapse. Ich weiß, dass dieses Album bei vielen nicht gut ankam und dass selbst Eminem im Nachhinein betrachtet nicht gerade zufrieden mit seinem Werk war. “Let’s be honest, that last Relapse CD was “ehhhh”, wie er auf Not Afraid urteilt. Aber war Recovery wirklich so viel besser? Zweifelsohne beinhaltet die CD unfassbar gute Songs, wie z. B. Going Through Changes, das bei mir bei jedem Hören Gänsehaut verursacht. Insgesamt aber war die Tracklist darauf abgestimmt, was die Allgemeinheit im Jahre 2010 haben wollte, sprich Tracks mit Rihanna und Lil’ Wayne. Recovery bildete dementsprechend keine wirkliche Einheit, wie es bei Relapse der Fall gewesen ist. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass Eminem das gemacht hat, worauf er wirklich Lust hatte – so hat man als Zuhörer viel mehr Spaß. Das Album ist großartig und vielseitiger als so mancher behaupten mag. Es ist teilweise verrückt,teilweise lustig, teilweise ernst und ruhig, teilweise aggressiv – diese Adjektive wollte ich gerne auch der MMLP 2 zuordnen. Kann ich es?

Bad Guy (++) Ich finde es immer super, wenn Rapper sich gegen eine einmütige Intro entscheiden sondern gleich zu Beginn einen Track in Überlänge liefern. Sehr starker Track, gerade wegen des Beat- und Stimmungswechsels nach 5 Minuten.

Rhyme Or Reason (o) Mir gefällt das Ganze an sich. Der Beat ist nicht typisch Hip-Hop, was absolut nicht schlimm ist. Im Gegenteil – die Rapskills sollen ja im Vordergrund stehen. Was mich aber stört: Warum schreit er zwischendurch? Früher hat er es nicht gemacht, war viel entspannter. Das sorgt bei mir und anderen Eminem-Fans aus meinem Freundeskreis für Unverständnis. Leider ist das nicht ausschließlich auf Rhyme Or Reason der Fall.

So Much Better (+) Okay, hier passt der aggressive Vortragstil vollkommen und es gibt nichts zu meckern. Die Hook passt perfekt. Plus!

Survival (+) Der Track eignet sich super als Motivationshymne, ist aber fast schon überladen.

Legacy (-) Extrem langweilig. Mehr fällt mir hierzu nicht ein.

Asshole (o) Der Flow des Meisters ist perfekt auf den Beat abgestimmt, die Doubletime-Passagen hören sich super an. Mit Skylar Greys Gesang kann ich aber so ziemlich gar nichts anfangen und beim Beat hat man zu viel gewollt. Maybe too much of a good thing, huuuuh?

Berzerk (-) Auch hier wäre weniger mehr gewesen. Ein maßlos übertrieben geschmückter Weihnachtsbaum ist eine passende Metapher.

Rap God (++) Nomen est omen. Das ist mit Abstand das Großartigste, was dieses Album zu bieten hat. Beatmäßig will man zwar mehr oder weniger dem Dubstep-Trend folgen, aber was Eminem hier raptechnisch und lyrisch bietet ist der pure Wahnsinn. Zwei Pluszeichen sind eigentlich nicht genug.

Brainless (+) Das ist der Eminem, den ich hören will.

Stronger Than I Was (-) Das ist nicht Eminem. Das Lied fängt extrem monoton an und es dauert ‘ne gefühlte Ewigkeit, bis der sülzige Gesang aufhört und Eminem endlich anfängt zu rappen. Als er mit seiner wirklichen Berufung loslegt, kommt Freude auf, bis er dann wieder grundlos schreit.

The Monster (+) Etwas für die breite Masse, aber dennoch anhörbar. Pop-Refrain, dafür aber solider Rap.

So Far (+) Sehr überraschender Stil, den wir dort hören. Lustiger Gesang von Eminem und viel Abwechslung in einem einzigen Track. I like.

Love Game (++) Auch das macht Spaß. Kendrick und Eminem ergänzen sich herausragend. Im Grunde genommen passt der Kommentar zu So Far auch hierzu!

Headlights (++) Nate Ruess ist einer der besten Gäste auf dem Album. Gänsehaut pur, als seine Stimme ertönt. Eminem entschuldigt sich bei seiner Mutter – My Mom ist für Außenstehende zwar unterhaltsam und lustig, früher oder später hätte ich aber auch ein schlechtes Gewissen. Neben Rap God und Love Game das dritte Highlight des Albums.

Evil Twin (++) Super Schlusspunkt.

Kommen wir zum Fazit mit abschließender Bewertung. Die Highlights des Albums zeigen, dass der alte Eminem noch da ist, auch wenn er sich nicht allzu oft auf dem Album zeigt. Gerade Rap God zeigt, dass Eminem noch extrem viele Reserven hat und auch in Zukunft (hoffentlich) die eine oder andere Bombe raushauen wird. Aufgrund der vielen “Balladen” wirkt das Album aber leider überhaupt nicht homogen. Zum Glück ist es aber so, dass die letzten drei Tracks extrem stark sind, so dass das Gesamtbild keineswegs eine Katastrophe ist. Fürs nächste Album wünsche ich mir Folgendes: Weniger Schreien, weniger Sülze, minimalistischere Instrumentals, mehr abwechslungsreiche Tracks im Stile von So Far oder Love Game. Die MMLP2 bekommt von mir 3,5 von 5 möglichen Punkten!

Technisch gesehen können nicht viele (wie viele überhaupt?) Eminem etwas anhaben. Seine Reime und Wortspiele, auch der generelle Umgang mit der Stimme – alles ist noch immer Champions League. Das hört man dem Album auch an jeder Stelle an. Schön zu hören ist auch, dass Eminem, trotz der weiterhin großen Verrücktheit, ein ganzes Stück gereift ist und gut einstecken kann, sowie auch um Vergebung bittet.

Die MMLP 2 ist (noch) kein Klassiker, wird das Level vom ersten Teil sicherlich nie erreichen, doch es ist viel besser als es Relapse oder Recovery waren. Im Grunde gibt es für mich lediglich einen Totalausfall (Stronger Than I Was) und einen schlechteren (Rhyme Or Reason) Track. Der Rest ist ok oder gut, im Falle von Bad Guy, So Much Better und Rap God sogar ausgezeichnet. Die vielen Rückblicke, Anspielungen und Referenzen an die MMLP sind gut gesetzt und sehr gelungen. Leider sind bis auf Parking Lot keine Skits an Bord, die damals auch ihren Teil zum Kult beigetragen haben. Viele Grüße an dieser Stelle an Steve Berman und Paul Rosenberg.

Beatmäßig ist das Album im großen und ganzen gut umgesetzt. Viele Produzenten und Eminem selbst platzierten vielfältige Beats. Für Rap God hätte es gern ein anderer Beat sein können, Legacy, Asshole und Rhyme Or Reason sind eher schlechter. Bei So Far und Love Game packt Rick Rubin die alten Schinken aus, die aber gelungen sind. Sid Roams hat für Evil Twin das passende Brett gezimmert. Leider agierte Dr. Dre im Hintergrund als Executive, den ein oder anderen Beat hätte er auch liefern können. Der alen Zeiten wegen.

Insgesamt bin ich mit dem Album zufrieden, ich habe nicht viel zu meckern. Einige Hochkaräter stehen wenigen nicht so starken Auftritten gegenüber. Man fühlt sich stellenweise direkt ins Jahr 2000 zurückversetzt. Der Titel Marshall Mathers LP 2 war also doch nicht nur ein Marketing Gag. Ich vergebe  3,75 von 5 möglichen Punkten.

Die Kurzreview gibt es in der Hörbar. Auch hier nochmal der Hinweis, dass Kommentare willkommen sind.

Danke an Lukas für diese gemeinsame Review.

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