The Weeknd – Kissland (Review)

Im Jahr 2011, genauer gesagt im März, August und Dezember, wurde die Musikwelt Zeuge von wundervoller neuer Musik. The Weeknd veröffentlichte in diesen Monaten jeweils ein Mixtape, welches so nirgendswo zu hören war. House Of Balloons, Thursdays und Echoes Of Silence. Atmosphärischer, voller Klang, dazu eine sehr warme Stimme. Der Sound war neu, frisch und wundervoll. Der Interpret war jedoch noch unbekannt, er führte quasi ein Versteckspiel mit der Welt. Nach und nach wurden mehr Menschen auf der Welt aufmerksam auf The Weeknd. Später sickerten immer mehr Informationen zur Person hinter dem Künstlernamen durch. Abel Tesfaye kommt aus Toronto. Soviel ist klar. Später fand man ihn fast logischerweise auf dem Album von Drake. Andere Künstler wollten diesen Ausnahmesänger auf ihren Singles haben, beispielsweise Wiz Khalifa (Remember You) oder French Montana (Gifted). In einigen wenigen öffentlichen Auftritten bleibt trotz der Anwesenheit doch irgendwie immer ein Geheimnis, welches Abel umgibt. Ist aber auch egal, die Musik zählt. Und diese war auf den besagten Mixtapes und allen Gastauftritten über jeden Zweifel erhaben. Konsequenterweise wurden diese Tapes dann im November 2012 nochmal in die CD-Regale der Welt gestellt. The Trilogy war eine Compilation der drei Tapes mit jeweils einem neuen Song. Natürlich klang das alles noch immer wunderbar, natürlich kaufte ich mir dieses “Album”. Doch ein richtiges Debüt war das nicht.

Dieses veröffentlichte er Anfang September und taufte sein Werk Kissland. Thematisch hat sich nicht viel verändert. Sehnsucht, Liebe und all seine Begleiterscheinungen. Sehnsucht, Schmerz und Sex. Drogen und käufliche Liebe sind auch im Spiel. Die Frage ist, ob es auch diesmal so zu verzaubern weiß, wie es die Mixtapes taten.

Statt Illangelo und Doc McKinney sind DannyBoyStyles und Jason Quenneville zusammen mit Abel persönlich für den Sound der Platte verantwortlich. Die Vorabsingle Belong To The World ließ das trotz aller Parallelen schon erahnen. Der weite, weiche Klang musste einem eher prägnanten und eher Richtung Pop tendierenden Sound weichen. Weite, breite und sphärische Phasen, wie sie auf The Trilogy zu hören waren,  sucht man meist vergebens. Die Songs sind greifbarer sozusagen. Aber auch mit verstopften Ohren erkennt man auf jeder einzelnen Anspielstation die Handschrift von The Weeknd. Verletzlich und angreifbar bleibt er weiterhin.

Getragen wird das gesamte Album von einer mal mehr oder weniger spürbaren Affinität zu den 80er Jahren. Den Gipfel erreicht dabei man bei Wanderlust. Einem Song, der mal eben eine niederländische Disco-Funk-Band samplet. Precious Little Diamond wurde von The Weeknd fast eins zu eins in die Moderne übertragen. Diesen Hang zu Synthies und anderen 80er Jahre Elementen fand man so nicht auf den Mixtapes. Hat aber definitiv etwas.

Nach all den Spekulationen um ein Verwürfnis zwischen Drake und The Weeknd, liefern die beiden die einzig richtige Antwort: einen gemeinsamen Song. Live For könnte ein Remix oder ein Sequel zu Crew Love vom letzten Album von Drake sein. Hier wird das Miteinander zelebriert. Aber nur die wahren, dicken Freunde. Crew Love eben. Vom feinsten. “That’s the shit that I live for/ with the people I die for.” Neben Belong To The World der klare Hit des Albums.

Die immer mal wieder erwähnten Mixtapes bzw. The Trilogy machen mir es schwer, dass ich dieses Album gleichermaßen genießen kann. Abel Tesfaye ist selbst schuld, denn er legte sich die Latte ja fast unmenschlich hoch vor. Böse ausgedrückt kann man sagen, dass das Album nach all den Geheimnissen um seine Person, die starken Mixtapes und dem dementsprechend hohen Interesse, den Ansprüchen nicht gerecht wird. Das wäre aber unfair. Schließlich bleibt der Sound so perfekt an die Stimme angepasst, so unvergleichlich. Vielleicht ist das Album ein Schritt weiter in Richtung breiterer Öffentlichkeit. Als richtiges Debüt ist es ein gutes, doch es ist ebenso schwer die Vorgänger auszublenden. Dennoch wird die nächsten Jahre kein Weg an The Weeknd vorbeiführen, wenn es um große R’n’B-Künstler geht. Von mir gibt es 3,25 von 5 möglichen Punkten.

Einen Überblick gibt es wie immer in der Hörbar. Meinungen zum Album? Postet sie hier.

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